Die tiefe Verehrung der Frau

Die männliche Energie gibt. Sie ist die aktive Energie.

Das männliche Prinzip ist das einnehmende (erobernde), vorwärtsdrängende und eindringende Prinzip.

Die weibliche Energie empfängt. Sie ist die passive Energie.

Das weibliche Prinzip ist das zulassende, aufnehmende, um- und verwandelnde Prinzip.

Was bedeutet das in einer heilen Beziehung zwischen Mann und Frau? Und wie leben wir es in unseren von Bedürftigkeit, gegenseitigen Abhängigkeiten und Erwartungen geprägten Beziehungen, die aus der eigenen Unwertigkeit, dem Mangel und der Unsicherheit in der Wahrnehmung der eigenen Person und Geschlechterrolle entstanden sind?

(c) Ute Strohbusch

 

"Die tiefe Verehrung der Frau zieht unwillkürlich die Entdeckung des innersten Männlichen nach sich..."
Helmuth Griesser

 

Die männliche Energie gibt. Sie ist die aktive Energie.

Das männliche Prinzip ist das einnehmende (erobernde), vorwärtsdrängende und eindringende Prinzip. Es will siegen.

Die weibliche Energie empfängt. Sie ist die passive Energie.

Das weibliche Prinzip ist das zulassende, aufnehmende, um- und verwandelnde Prinzip. Es will sich auf(hin)geben.

Das ist das Urprinzip unserer beiden Pole.

 

Was bedeutet das in einer heilen Beziehung zwischen Mann und Frau?

Zuerst einmal allergrößten gegenseitigen Respekt und bedingungslose gegenseitige Liebe.

Es bedeutet für den Mann, dass es ihm ein Herzensbedürfnis ist, seiner Angebeteten zu dienen, alles in seiner Macht stehende für sie zu tun, ihr quasi die Sterne vom Himmel zu holen, sie auf Händen zu tragen, ihr jeden Wunsch von den... Gut, wir wollen es mit Klischees mal nicht übertreiben :-)

 

Aber das Grundprinzip ist wahr.

Wie es Helmut Griesser in einem Satz so wundervoll auf den Punkt bringt (Er ist ein Mann, ihm reicht ein Satz :-))

Wenn ein Mann eine Frau absolut liebt, möchte er alles für sie tun. Es ist ihm ein tiefes Bedürfnis.

Denn auf diese Art und Weise erfährt er nämlich sein eigenes Potential, seine Kraft, seine HERRlichkeit.

Nicht weil er es muss - sondern weil er es KANN.

Er erfährt sich in seiner ganzen Größe dadurch, dass er vollständig empfangen und aufgenommen wird. Er kann sich spüren, erfahren, was ihn ausmacht, was er leisten kann.

 

Es bedeutet aber für die Frau, dass sie bereit sein muss für so eine Liebe und einen Mann, der sie verehrt.

Die Frau gibt nicht dasselbe zurück, zumindest nicht auf dieselbe Art, nicht auf aktive Art.

Die Frau dient dem Mann auch, aber passiv. Was bedeutet das?

Sie dient ihm damit, dass sie ihn vollkommen aufnimmt in seinem SOSEIN.

Okay... was bedeutet das nun aber?

Sie dient ihm damit, dass sie ihn in einer Liebe, die nichts fordert, vollkommen annehmen kann, seine Impulse aufnimmt und umwandelt. Dass sie sich loslassen kann, nichts beschützen muss oder ablehnt .

Bei ihr erfährt er sich umfassend in seinem ganzen Mannsein.

Es bedeutet, dass sie ihm nichts entgegensetzt, keine Mauer hat, die sie irgendwann aus Angst errichtet hat, hinter der sie mit ihm verhandelt. Es bedeutet außerdem, ihn nicht nur als Mutter/Lehrerin von oben herab zu behandeln oder als kleines unselbstständiges trotziges bedürftiges Mädchen seine Verantwortung ihr gegenüber einzufordern.

Es bedeutet, ihm als Frau entgegenzutreten und in ihm die eigene Wertigkeit zu sehen, die eigene Schönheit und Kraft zu spiegeln und ihn "machen zu lassen".

 

Vollständige Hingabe der Frau an alles, was ihn ausmacht, fördert AUTOMATISCH das Beste in ihm zu Tage.

Je mehr er erfährt, dass er ankommt, desto mehr spornt ihn das an. Er will sich selbst übertreffen, schauen, wieviel er als Mann zu geben in der Lage ist, wie gut er seine Aufgabe erfüllt. Und genau das erkennt er am Verhalten der Frau ihm gegenüber.

 

Dadurch, dass sie ihm keinen Widerstand entgegensetzt oder Bedingungen stellt, etwas ablehnt oder einfordert, kann er sich ungebremst in seiner zielgerichteten einnehmenden Energie selbst fühlen und erkennen. Je mehr sie ihn zulässt, desto mehr Impulse kann er erzeugen. Desto stärker nimmt er sich als Mann wahr. Desto gebündelter wird sein Bestreben.

Ein Mann, der die in seinen Augen einzigartigste und göttlichste Frau erobern konnte, erfährt sich selbst als etwas Besonderes.

 

Das wichtigste Anzeichen für ihn, dass eine Frau eine Göttin ist, ist:

Sie ist in seinen Augen so wunderbar und toll... aber unerreichbar, sie braucht ihn nicht.

Er ist nicht die Ursache ihrer Gefühle, weder ihres Glücklichseins, noch ihres Unglücklichsein. Er ist nicht Quelle für sie, deswegen kann er sie auch nicht verletzen. Sie nimmt sich ohne ihn nicht als halb wahr.

Sie verlangt nichts von ihm, sie kümmert sich nicht um ihn. Sie beachtet ihn kaum.

Er hat nun die Wahl, sich auf eine weniger göttliche Frau einzulassen oder seinen ganzen Mut zusammenzunehmen und bereit zu sein, alles auf's Spiel zu setzen. Um das Beste gewinnen zu können, muss er sein Scheitern in Kauf nehmen können. Er muss verlieren können, bereit sein, den Schmerz zu ertragen und immer wieder aufzustehen und es weiterzu versuchen. Gibt er auf, gibt er sich auf. Das weiß er.

Wenn die Liebe sein Herz entzündet hat und er bereit ist, alles zu verlieren, seinen Besitz, seinen Ruf, seine Ehre, seine Kontrolle, wird es es wagen. Natürlich hat auch er den Instinkt, zu wissen, wann ihm die Frau begegnet ist, mit der er das Beste erreichen kann.

Er muss sich bemühen, anstrengen, um sie zu beeindrucken, um Aufmerksamkeit von ihr zu bekommen, um sie für sich einzunehmen. Er will ihr Gutes tun, sie verwöhnen, zeigen, was er kann und hat, ihr Dinge abnehmen, ihr das Leben erleichtern, sie überraschen, sie überhäufen, ihr zeigen, dass er für sie da ist. Er will ihr das Leben angenehmer machen, leicher machen, ihr Schwieriges abnehmen. Er beginnt Verantwortung zu übernehmen und ihr zu beweisen, dass sie sich auf ihn verlassen kann.

Sein Leben beginnt sich um ihres zu drehen, nicht wissend, ob sie sich ihm restlos "ergibt"...

 

Dagegen hält eine Frau, die um ihn kämpft, die ihm alles vor die Füße legt, ohne dass er es sich hätte verdienen und erobern müssen, in der Passivität und seinen Ängsten gefangen. Sie bringt ihn um die Entscheidung, alles auf eine Karte zu setzen: Entweder mittelmäßig weiterzuleben oder ein besonderer Mann zu sein, ein Held, ein Eroberer, ein Sieger... der jedoch auch scheitern kann.

Und darüber hat die Frau keine Kontrolle, ob er es wagt!

Ist sie bei sich, stört sie das nicht, denn sie vertraut, dass das Leben ihr den Mr. Right bringt.

Versucht sie aber ihrerseits, diese Entscheidung bei ihm herbeizuführen, weil sie Angst hat, den Mann, den sie für ihre Quelle hält, zu verlieren, verhindert sie seine Entscheidungzu einhundert Prozent.

Er wird sich nur dann für sie entscheiden, wenn die Angst, sie nicht zu bekommen, größer ist als seine Angst, alles zu verlieren (je nachdem, was er glaubt, was er zu verlieren hat). Vielleicht...

 

Bevor eine Frau einen Mann so empfangen kann in ihrem Leben, muss sie sich selbst genug sein, sich als unabhängig und ganz erfahren. Und sie muss angstfrei sein gegenüber der männlichen Energie, dem Leben vertrauen, nur dann versucht sie nicht, seine Energien zu kontrollieren.

Das geht nur, wenn sie sich vor nichts schützen muss, und deshalb nichts Bestimmtes erwartet, dass sie haben will auf eine bestimmte Art und Weise. Dazu braucht es aber ihre eigene Größe und Selbstverständlichkeit, ihr Ruhen in sich und ihrem selbsterfüllten Leben. Nur dann kann sie wählen, welchen Mann in welcher Energie sie zulässt.

Nur dann hat sie Geduld und Zeit abzuwarten, dass derjenige kommt, der sie am größtmöglichsten mit seiner Art beeindruckt, abholt und entfacht, mit dessen Energie sie vollständig in Resonanz gehen kann.

Diese Energie ist ungefährlich für sie, weil sie auf absoluter Liebe beruht. Diese Energie zerstört sie nicht, sondern befruchtet sie, beschützt und trägt sie, dient ihrem ganzen Sein auf höchstmögliche Weise.

Mit dieser Energie kommt sie aber nur in Resonanz, wenn sie selbst in dergleichen Energie ist.

Solange sie selbst eine Quelle im Außen für sich braucht, bleibt sie Opfer ihrer Bedürfnisse und beginnt zu ziehen und zu fordern. Das muss nicht immer laut sein. Es reichen schon die Glaubensmuster im Kopf, die aus der eigenen Angst und Kleinheit gewachsen sind.

 

Die befreite Frau, die sich leben kann, wie sie ist, die nichts beschützen muss, weil sie nichts verlieren kann, was sie selbst bereits ist, die keinen Mann braucht, um glücklich zu sein, also die "Königin" - diese hat keine Angst mehr, etwas nehmen zu müssen, was ihr nicht absolut gut tut. Sie muss ja nichts nehmen, was ihr nicht entspricht. Sie muss keinen Mann nehmen, der selbst noch nicht geheilt ist... warumauch... Nur wer bedürftig ist, auf eine Quelle außerhalb von sich selbst angewiesen ist, muss in Kauf nehmen etwas zu bekommen, was er nicht möchte - oder nicht zu bekommen, was er möchte.

Eine Frau, die abhängig ist von dem Irrtum, etwas oder jemanden zu brauchen, die sich emotional von jemandem abhängig macht, ist ohn-mächtig und hat nicht unter Kontrolle, was sie bekommt. Eine bedürftige Frau versucht zu HABEN, zu BEKOMMEN und muss nehmen, was man(n) ihr gibt. Nämlich ihr eigenes Abbild.

Die ungeheilten Frauen, die aus Angst Bedingungen stellen, die die Kontrolle behalten wollen, bis er so ist, wie sie es möchten, damit sie sich ihm dann öffnen und ihn annehmen können, verlieben sich instinktiv in gleichermaßen ungeheilte Männer, wo sie in ihre Defizite und Abhängigkeiten gespiegelt bekommen, um diese zu erfahren und zu heilen.

Bei den Männern ist es natürlich genauso.

 

Eine Frau, die unabhängig ist von einer äußeren Quelle, ist in ihrer Macht, SELBST-ermächtigt.

Sie hat eine Wahl zu allem und jedem NEIN zu sagen, was ihr nicht entspricht oder nicht gut tut.

Diese Frau dient dem Mann, sein innerstes Männliches zu entdecken und zuzulassen, indem sie nichts an ihm oder von ihm ablehnt oder an Bedingungen knüpft. So eine Frau ist für Männer am attraktivsten, weil sie die Männer aufwertet, anstatt klein zu halten in dem Gefühl, dass er nie reicht, um sie zufrieden zu stellen.

 

 

Die Frau dient dem Mann, sein innerstes Männliches zu entdecken und zuzulassen, indem sie nichts an ihm oder von ihm ablehnt oder an Bedingungen knüpft.

Bedingungen enstammen immer der eigenen Kleinheit, Unsicherheit, Misstrauen und Angst.

Wenn eine Frau die eigene Größe gefunden hat, dieses Selbstverständnis ihrerselbst, die Eigenliebe, ist sie in der Lage, auch ihn vollkommen so sein zu lassen, wie er ist, und dadurch kann er sich durch sie vollkommen spüren und seine eigene Größe erfahren. Je mehr er dies erfährt, desto mehr spürt er sich selbst. Also wird er niemals damit aufhören, sie zu verehren und alles für sie zu tun. Denn sie schenkt ihm sich selbst auf einer höheren Ebene zurück, als er vorher war.

Das bedeutet, er hat durch sie eine Erfahrung über sich selbst gemacht, die seine Selbstwahrnehmung stärkt. Sie wiederum macht die Erfahrung, als Frau einen hohen Wert zu besitzen und dafür nichts tun zu müssen, was ihre Selbstwahrnehmung stärkt. Beide holen so das Beste aus sich heraus.

 

Der liebende Mann, der keine Angst vor seinen Gefühlen hat, verschenkt sich absolut an die Frau. Er würde sein Leben geben. Er adelt sie durch sein selbstloses Verhalten. Damit ehrt er die Frau und dient der Frau auf verschiedensten Ebenen.

Früher haben ritterliche Männer noch ihr physisches Leben auf's Spiel gesetzt für ihre Angebetete. Das ist heute in den seltensten Fällen noch ntwendig, aber er setzt es auf andere Weise aufs Spiel...

Die Frau belohnt ihn dadurch, dass er sich so in all seinen besten Wesenszügen erfahren darf, indem er sich durch sie in seiner Größe und seinen Fähigkeiten erkennen darf. Das hat nichts mit fehlender Augenhöhe oder Abhängigkeit zu tun. Liebe kennt so etwas nicht. Es ist eine gegenseitiges Dienen und eine Win-Win-Situation. Sie darf ihr innerstes Weibliches erfahren und er sein innerstes Männliches.

 

Im ungeheilten Egozustand beider lauert auf beiden Seiten die Gefahr des Missbrauchs.

In vielen herkömmlichen Partnerschaften nutzt die Frau das Prinzip für sich manipulierend aus, dass der Mann sich selbst spüren und erfahren will durch Leistung, die er erbringt (das Erfolgsprinzip) , indem sie ihn manipuliert und bindet, diese Leistungen für sie zwar erbringen lässt, aber ihn nicht als Mann auf allen Ebenen vollkommen annimmt. Sie findet immer etwas, was ihr nicht passt, was er erst verändern muss. Wenn eine Frau einen Mann nicht aufrichtig liebt, kann sie ihn nicht vollständig annehmen und empfangen. Es widerstrebt ihr instinktiv, jemanden ganz nah an sich heranzulassen, den sie ja selbst nicht liebt, sondern nur braucht. Komischerweise strengen solche abgelehnten Männer sich noch mehr an bei diesen Frauen, um angenommen zu werden.

Sein Problem ist aber seine eigene Schwäche und Misstrauen gegenüber seinen eigenen Gefühlen. Er hält etwas zurück, meist sogar ziemlich viel, was wiederum den Frust der Frau verstärkt.

Komischerweise verlassen solche Männer diese Frauen ganz schwer, weil er das Erfolgsprinzip verinnerlicht hat und für eine Frau sorgen MUSS, um nicht in die Leere zu fallen.

 

Andersherum nutzt der Mann dieses Prinzip genauso für sich aus, weil es ihm leicht fällt, bestimmte Dinge zu geben, bei denen er Sicherheit und Erfolg erlangt hat, er aber riesige Angst hat, sich auch emotional zu geben, und glaubt, so sein Leben und sich unter Kontrolle zu behalten. Die Angst vor der Liebe und der eigenen Kraft und Größe ist auf beiden Seiten riesig.

Die Leere wird auf beiden Seiten lange nicht wahrgenommen und mit hübschen materiellen Dingen, Haus, Kindern oder Aktionismus geüllt.

 

Ich habe in meinem Leben einige Männer kennengelernt, die zu tiefst ausgelaugt, unglücklich und frustriert waren, aber nicht damit aufhören konnten, der Familie, der Frau und dem gemeinsamen Besitz zu dienen, obwohl die Beziehungen kaputt waren und entweder vollkommen sprach- und sexlos oder eine Qual und Zerfleischung..

Schönreden hilft ja auch eine ganze Weile.Wir werfen anderen immer betrug oder Lüge vor, aber nichts ist größer als unser Selbstbetrug und das, was wir uns in die Taschen lügen.

Vor kurzem ist erst ein junger Mann in meinem Bekanntenkreis verstorben, der nicht aufhören konnte, diesem System wie ein Wahnsinniger zu dienen, während die Frau immer nur Ansprüche hatte, ihn aber körperlich vollkommen ablehnte und seit Jahren nicht mehr an sich heranließ. Warum Frauen sich nicht von ihrem Versorger und Gesellschafter trennen, ist mir klar, aber die Männer? Früher habe ich nicht verstanden, warum Männer so etwas mitmachen, aber heute begreife ich das Muster. Sie sind süchtig nach Anerkennung... nur leider bei der falschen Frau, solange sie es ohne Liebe zu sich selbst versuchen, um sich vor vermeidlichen Verletzungen zu schützen.

 

Solange Männer sich nicht trauen, sich bedingungslos (aus dem Herzen) zu geben, ohne zu wissen, ob sie angenommen werden, und solange Frauen sich nicht trauen, bedingungslos zu empfangen und aufzunehmen, ohne zu wissen, ob es verletzt oder nährt, spielen wir weiter diese Egospiele, fügen uns Leid zu und Schmerz - uns selbst und gegenseitig.

 

Deswegen führt kein Weg daran vorbei, erst die eigene Angst zu ergründen und die Quelle in uns selbst zu finden. Warum?

Wenn ich liebesbedürftig bin, bin ich darauf angewiesen etwas zu bekommen. Da ich nicht weiß, was ich bekomme, fange ich an, dies zu kontrollieren und mich zu schützen.

Wenn ich selbst voller Liebe bin und nicht bedürftig, geht nichts mit mir in Resonanz, was nicht ebenfalls in Liebe ist. Wovor muss ich mich dann schützen? Wenn etwas dem nicht entspricht, berührt es mich nicht, ich registriere das, und ich lasse mich nicht darauf ein. Weil ich ja nicht bedürftig bin, brauche ich auch nicht nach jedem Strohhalm greifen, in der Hoffnung, dass es mich erfüllen möge. Ich bin ja schon von mir und meinem Leben erfüllt und kann mir leisten, NEIN zu sagen.

Je leerer wir aber sind, desto weniger wählerisch werden wir und nehmen alles an, weil wir auf eine Quelle angewiesen sind...

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass die negativen Erfahrungen dann das Gegenteil dessen bewirken, was wir wollen, nämlich noch mehr Bedingungen und Kontrolle und Schutz vor neuer Verletzung.

 

Ich habe vor ca. 20 Jahren das Buch "Die Wolfsfrau" von Clarissa Pinkola Estes gelesen.

Damals habe ich es nur sehr schwer verstanden, ich bekam keinen wirklichen Zugang. Aber eine Stelle hatte sich in mir eingebrannt, die ich zwar nicht begriff, aber die tiefe Wahrheit fühlte. Heute muss ich lächeln, weil es inzwischen so klar ist.

Ich möchte euch dieses Kapitel abschreiben, denn es beschreibt, was passiert, wenn eine Frau ihre Königin befreit hat.

 

Die Kraft der Flanken S.251

 

"...Das zweite augenöffnende Erlebnis hatte ich mit einer weitaus älteren Frau. Ihr Körper entsprach in keiner Weise dem damaligen Schönheitsideal; ihre Hüften waren zu birnenförmig, ihr Busen im Vergleich winzig, und ihre Schenkel waren von feinen bläulichen Adern durchzogen. Eine lange Operationsnarbe zog sich seitwärts vom Brustkorb bis zu den Rückenwirbeln, und ihre Taille war etwa vier Hände breit.

Daher war es mir ein Rätsel, warum die Männer um diese Frau herumschwirrten wie Bienen um die Honigwabe. Sie wollten ständig mit ihr schmusen, diese kleinen Brüste halten, die Narbe küssen, an diesen breiten Hüften und Schenkeln herumknabbern.

Ihr Lächeln war ansteckend, ihr Gang ein sinnenfrohes Ereignis, und wenn sie jemanden anschaute, dann hatte man das Gefühl, wirklich gesehen zu werden. In ihr sah ich noch einmal, was ich bis dahin ignoriert hatte: Die Urkraft im Körper.

Für die Gesellschaft liegt die Anziehungskraft des Körpers in seiner äußeren Schönheit, aber Urkraft im Körper ist eindrucksvoller und seltener noch, weil diese Kraft den meisten Menschen durch anerzogene Minderwertigkeitsgefühle und falsche Scham ausgetrieben wird.

Das ist der Blickwinkel, aus dem eine instinktbegabte Frau ihren Körper betrachtet, denn so gesehen ist er keine Last, die man wohl oder Übel durchs Leben schleppt, sondern er besteht aus etlichen Pforten der Wahrnehmung, die uns ein beeindruckendes Spektrum an Sinneserfahrungen möglich machen. Für die wildnatürliche Psyche ist der Körper ein sinnenfrohes, lebendiges Geschöpf, das wir umsorgen, aber das auch uns umsorgt."

 

 

 

Aber tut die ungeheilte Frau, die auf ihren Seelenpartner trifft und diesen Mann anbetet, der sich nicht traut, in ihr Leben zu kommen, nicht genau dasselbe wie der Seelenpartner gegenüber seiner Frau????

Wir können nicht begreifen, warum er seine Situation - egal ob verheiratet oder nur als beziehungsunwilliger Single - nicht loslassen kann, warum er sich selbst nicht wahre Liebe wert ist...

 

Nicht gesehen zu werden... immer hinten anzustehen... immer ist anderes, sind andere Menschen wichtiger als ich... das ist die tiefste Verletzung des inneren Kindes der meisten Frauen... und auch die innere Frau, die Königin, die nicht gesehen, gewürdigt wird, oft auch wenig bis keine Sexualität hat.

Wir suchen wie Süchtige dieses Verletztwerden immer noch und immer wiederbei ihm, indem wir bei ihm "anklopfen", uns blutige Nasen holen, oder in dem wir den Gedanken an ihn ständig aufrecht erhalten, wo wir den Schmerz immer und immer wieder erneut durchleben dürfen.

 

Lange Zeit glauben wir, wir erlösen unseren Schmerz durch ihn, wir brauchen den Spiegel.

Was auch in gewisser Weise stimmt, denn mit jedem Fühlen lösen wir ein wenig unserer Widerstände auf und erfahren uns nicht mehr so tief, nicht mehr so lange im alten Schmerz.

Aber eines Tages kommt das Erwachen:

Wir erkennen: Wir halten den Schmerz aufrecht durch ihn!

Unsere Angst, alleine zu sein, ihn ganz zu verlieren, ist größer als unser Schmerz! Lieber leiden wir weiter, in der Hoffnung, dass ER unser Leid beendet, anstatt wir selbst.... alleine... auf uns selbst geworfen... in dem Misstrauen und der Erfahrung, uns selbst genügen zu können.

 

Lange Zeit leben wir unsere innere Mutter, haben noch Mitgefühl für ihn, für seine Situation, oft tut er uns leid in seinem Kampf gegen sich selbst, sein liebloses Dasein...

Wir haben immer Verständnis für das verletzte, ängstliche Kind in ihm, für den Mann, der von seiner Frau, seiner Mutter, seiner Partnerin nicht gesehen wird...

Lange können wir nicht begreifen, wie er so lange freiwillig an einem Menschen festhalten kann, der ihn nicht wertschätzt, nicht versteht, nicht SIEHT und ihn nur egoistisch benutzt...

Und dann plötzlich... eines Tages... geht uns ein Licht auf, wir erwachen. Ein Schalter legt sich um.

Wir erkennen, dass unser Festhalten an IHM schon sooo lange dasselbe ist!!!

Haben wir ihn nicht oft Jahre emotional getragen, genährt, das verletzte Kind in ihm versorgt, bestätigt, ihm Sicherheit gegeben, so wie ER es mit seiner Frau macht? Anstatt uns mal um unser eigenes inneres Kind (unsere verletzten Gefühle) zu kümmern!

 

Erkenne: Er ist dein Spiegel! Wir versorgen beide jeweils einen Menschen, der sich nicht hundert Prozent für uns entscheidet! Einen Menschen, der sich nur nähren lässt auf einer Ebene, die er zulassen kann!

 

Ziehe endlich einen Schlussstrich unter deine Bedürftigkeit und rette dein Leben!

Die Frau in dir will endlich blühen, geliebt, geachtet, verehrt und wahrgenommen werden.

Und das wird geschehen, sobald DU dem verletzten Kind in dir, der missachteten Frau in dir endlich Aufmerksamkeit gibst.

 

Verweile bei deinen  schmerzenden Wunden und halte sie offen und nackt.

Versuche sie nicht zu beschützen, zu unterdrücken oder zu verdrängen.

Denn du brauchst DEINE Liebe, deine Hinwendung, deine Aufmerksamkeit, nicht seine....

 

 

(c) Ute Strohbusch 2017